Diakonisches Werk
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Lichtblicke-Geld ermöglicht Ausbau der Kinderschutzambulanz

Mittwoch, 14.04.2010

Paule hat schon so manche schlimme Geschichte gehört. Von Eltern, die sich immer streiten. Von Berührungen, die unangenehm waren. Von Schlägen und von der Angst, nach Hause zu kommen. Paule hört zu, erträgt Tränen und Wut und bleibt dabei kuschelig weich und freundlich. Oberflächlich betrachtet, ist Paule nur eine waschbare Stoffpuppe, doch im Therapiezimmer in der Kinderschutzambulanz der Diakonie wird der kleine Kerl mit der Strubbelfrisur zu einem wichtigen Helfer der Traumatherapeutin Monika Fischer: "Den Zugang zu einem Kind zu finden, ist manchmal eine Geduldsprobe. Jedes Kind ist anders, öffnet sich im Spiel, beim Malen, oder eben im Gespräch mit der therapeutischen Handpuppe." Dank der großartigen Unterstützung durch die Aktion Lichtblicke der NRW-Lokalradios, zu denen auch 107.7RadioHagen zählt, können Monika Fischer und ihre Kollegen jetzt weitere Diagnosematerialien anschaffen, die in der im März eröffneten Einrichtung dringend benötigt werden.

Der Weg hin zur Kinderschutzambulanz war ein Langstreckenlauf. Der Hagener CDU-Politiker Detlef Reinke war der Hauptinitiator eines runden Tisches, an dem sich fast drei Jahre lang Fachleute aus Verwaltung, Politik und die Erziehungshilfeexperten der Stadt immer wieder über die Notwendigkeit einer Kinderschutzambulanz für Hagen austauschten. Kinder, die anhaltend körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt ausgesetzt sind, gibt es leider auch in Hagen – von allein 200 bis 300 bekannten Fälle ist die Rede, was im Verborgenen geschieht, ahnt man nur. Doch der Hagener Haushalt ist klamm, neue Projekte sind nicht genehmigt, und so war die schwierigste Herausforderung, die Finanzierung der Arbeit sicherzustellen.

12.500 Euro steuert jetzt die Aktion Lichtblicke bei – Geld, mit dem Spielzeug und weiteres Diagnosematerial angeschafft werden kann. Schon vor der offiziellen Eröffnung der frisch renovierten Räume in der Bergstraße nahm Sozialarbeiterin Monika Fischer ihre Arbeit auf. Kontakte zu Institutionen und Einrichtungen knüpfen, Schulen, Kindergärten und Vereine informieren und ins Boot holen – das alles gehört auch zur Arbeit der Kinderschutzambulanz. „Die Verantwortung für unsere Kinder geht uns alle an, und wir sind auf die Informationen derjenigen angewiesen, die ein Kind besser und länger kennen“, erklärt die Dortmunderin.

Vermittelt werden die Kinder über das örtliche Jugendamt, das auch die Kosten für die etwa 15 bis 20 Therapiestunden übernimmt. Hilfeplangespräche, Gespräche mit den Eltern, mit Lehrern oder dem Kinderarzt sind Bausteine im Diagnoseverfahren. Die eigentliche Arbeit mit dem Kind dient neben der Diagnostik vor allem dazu, herauszufinden, welche Maßnahmen danach helfen können.

Wenn ein Kind sich eine idealisierte Puppenhaus-Traumwelt schafft, in der Oma und Opa friedlich auf dem Sofa sitzen und von den Eltern keine Spur ist, können die Experten ebenso Rückschlüsse auf die familiäre Situation eines Kindes schließen wie aus der „Chaos-Variante“ mit unordentlich umgeworfenen Möbeln. Ein kompletter Hartplastik-Zoo dient zum Nachstellen von Familienkonstellationen – ist der Vater eher ein aggressiver Rottweiler oder ein winziges Eichhörnchen? Alles, was der Traumatherapeutin auffällt, wird sorgfältig dokumentiert: „Damit es gegebenenfalls auch vor Gericht verwertet werden kann.“

Ab Mai werden zwei männliche Kollegen das Team um Bereichsleiterin Heide Alscher komplettieren – das Diakonische Werk finanziert die beiden Vollzeit-Kräfte, mit dem Lichtblicke-Geld wird zusätzlich eine Honorarkraft ermöglicht. Christa Thiel vom Spendenbeirat kam zur Scheck-Übergabe extra nach Hagen, um sich vor Ort ein Bild von der Einrichtung zu machen. „Ihr Konzept hat uns sehr überzeugt und nun freuen wir uns, wenn Sie das Geld mit Leben füllen“, erklärte sie nach einem ausführlichen Rundgang. Und Cordula Aßmann, Chefredakteurin von 107.7RadioHagen, freut sich: „Schön, dass durch dieses Projekt etwas von dem Geld nach Hagen zurückfließt, das auch durch unsere Hörerinnen und Hörer zusammengetragen wurde.“
 

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