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Berufsvorbereitung mit ungewöhnlichen Methoden: Die Theater-BvB
Mittwoch, 28.07.2010
Markus Schneider, 23, hat lange überlegt, wie man seine Botschaft umsetzen kann. Nun blicken die Besucher der Foto-Ausstellung „Ich“ im Diakonischen Werk in der Martin-Luther-Straße auf fünf junge Menschen, die hinter einem Zaun auf einem weiten Feld stehen. „Gucken Sie mal genauer hin: Die sind total unterschiedlich. So sind wir auch.“ Wir, das sind Jugendliche, die Teilnehmer an der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) Theater der Diakonie-Tochter ALZ waren. Sie sind in der Tat sehr unterschiedlich, ihre Lebenswege, die sie in diese Maßnahme geführt haben, sind sehr individuell. „Doch die Gesellschaft sperrt uns in einen gemeinsamen Käfig.“ „Unerwünscht“ steht da wohl drauf.
In der Ausbildungsstätte der Diakonie in Eckesey und in der Vif-Beratungsstelle bekommen junge Menschen eine zweite oder auch dritte Chance, deren Ausbildungsweg nicht gerade verläuft. Die keinen Schulabschluss haben, die noch nicht fit für einen Ausbildungsplatz sind, sich noch orientieren müssen. Die nach 500 Bewerbungen das Gefühl haben, dass niemand sie will. Hier sind sie erwünscht.
Tanja Lange und Henry Schop leiteten das 10-monatige Projekt Theater-BvB. Neben den `üblichen´ Bausteinen, also Bewerbungstraining, Praktikum in Betrieben und Berufsschule, stand kreatives Arbeiten auf dem Stundenplan der insgesamt 20 Teilnehmer. Eine völlig neue Erfahrung für die Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ zitiert Henry Schop den legendären Karl Valentin – und genau das mussten auch die Teilnehmer erfahren. Denn vor dem umjubelten Theaterauftritt im Dezember standen Lernen, Durchhaltevermögen, Teamgeist entwickeln. Dranbleiben.
Es gelingt. Die Hälfte der Teilnehmer hat ab Herbst einen Ausbildungsplatz. „Auf dem ersten Arbeitsmarkt!“. „Wir versuchen hier, den Jugendlichen zu helfen, das zu werden, was sie sind“, beschrieben die Pädagogen den ungewöhnlichen Ansatz. „Wir motivieren sie, über sich nachzudenken, ihr Selbstbild zu korrigieren, etwas über sich selber zu lernen.“ Nur wer die eigenen Stärken – und Schwächen – kennt, kann sich erfolgreich präsentieren.
Markus beginnt im August eine dreijährige Ausbildung zum Veranstaltungstechniker. Auf seinem zweiten Foto lassen die Jugendlichen den Zaun, das Beengende, hinter sich. Sie haben sich umgedreht, gehen nun in unterschiedlichen Richtungen davon. In ihr Leben. Die BvB Theater wird leider nicht fortgesetzt.

