Ennepe-Ruhr/Hagen
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Adventssammlung 2009
Menschenrecht muss man sich nicht verdienen
Zuwanderungsberatung hilft bei der Integration – Migranten und Deutschen
…Sie sagten sich immer wieder: Irgendwann geht es zurück
Und das Ersparte genügt zu Hause für ein kleines Glück
Und bald denkt keiner mehr daran wie es hier war…
Aus: Udo Jürgens, Griechischer Wein
Kyros Navrosiadis ist 75 Jahre alt. Er kam mit der ersten Gastarbeiter-Generation 1965 nach Deutschland. „Gastarbeiter – ich habe dieses Wort nie verstanden“, sinniert der Grieche, der nun schon mehr als die Hälfte seines Lebens in Hagen lebt und hier vermutlich auch sterben wird. Es stimmt schon: Ein „Gast“ war er eigentlich nie. Ein Gast, das ist doch ein Besucher, der in der guten Stube Platz nehmen darf, während die Gastgeber ihm den Aufenthalt mit Schnittchen und gutem Wein so angenehm wie möglich machen. Über dessen Besuch man sich freut. Kyros Navrosiadis wurde als ungelernter Arbeiter angeworben. Mit seinen 31 Jahren gehörte der zweifache Familienvater zu den älteren Ausländern, die die Belegschaft einer Baufirma im Bauboom unterstützen sollten. Wie die meisten seiner Landsleute wollte er nur ein paar Jahre bleiben und dann in die Heimat zurückkehren. Gefreut haben sich über seinen Aufenthalt nur wenige.
Fremd war er, einsam, von der deutschen Bevölkerung weitgehend isoliert. Er und seine nichtdeutschen Kollegen lebten in einfachen Holzbaracken am Loxbaum. Im Laufe eines Tages verwandelte sich Kyros regelmäßig vom netten griechischen Kollegen, mit dem man die Mittagspause gern verbrachte, in den misstrauisch beäugten Fremdarbeiter. „Nach Feierabend wurden wir bestenfalls ignoriert, im schlimmeren Fall beschimpft“, erinnert sich der Hellene.
„In den 60-er Jahren dachte noch niemand daran, dass die angeworbenen Arbeitskräfte dauerhaft bleiben würden – weder die Deutschen noch die Ausländer selbst“, weiß Franz-Josef Franke, Leiter der Zuwanderungsberatung des Diakonischen Werkes. Und doch brauchten die Menschen, die das Leben ins Ruhrgebiet getrieben hatte, ganz praktische Unterstützung: Beim Ausfüllen von Papieren, beim Beantragen von Hilfen, im Behördendschungel. Die Wohlfahrtsverbände teilten sich die Betreuung der Menschen nach Religionen –die Caritas kümmerte sich um Italiener und andere Katholiken, die Diakonie um Orthodoxe, die Arbeiterwohlfahrt um Muslime und andere.
So entstand beim Diakonischen Werk die erste Zuwanderungsberatung mit dem Schwerpunkt „Griechenzentrum“. Vier Jahrzehnte später hat sich vieles in Deutschland verändert, auch in der Zuwanderungsberatung – doch die Probleme der Menschen, die hierher kommen, sind geblieben: Sprachprobleme, die fremde Umgebung, die zum Teil ungewohnte Arbeit sowie die aufeinander treffenden unterschiedlichen Mentalitäten und Kulturen.
Heute sind im Team um Franz-Josef Franke 13 Kolleginnen und Kollegen beschäftigt. Viele haben selber einen Migrationshintergrund, wurden im Ausland geboren oder sind in Deutschland geborene Kinder von Migranten. Sie haben das geschafft, was heute als oberstes Ziel der Arbeit gilt: Sie sind integriert.
Sie betreuen Menschen psychologisch, die vom Krieg traumatisiert oder Opfer von Menschenhandel wurden. Sie helfen älteren Migranten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sie schulen Migranten als Multiplikatoren für das Gesundheitssystem und unterstützen Firmen, die Migranten einstellen wollen, aber Sorgen wegen der kulturellen Unterschiede haben. Sprach- und Integrationskurse helfen älteren Migranten bei der Orientierung in Deutschland; Sprach- und Lernpaten wollen Kindern einen gleichberechtigten Start ins Leben ermöglichen.
Die Menschen, die in der diakonischen Einrichtung Rat suchen, werden nicht defizitär betrachtet: „Diese Menschen haben viele Stärken und Ressourcen. Viele sind zwei- oder mehrsprachig, sie sind flexibel, belastbar, kennen sich in unterschiedlichen Kulturen aus“, betont Franz-Josef Franke. Arbeitgeber könnten davon profitieren, Migranten einzustellen – wenn sie denn bereit sind, sich von Vorurteilen zu trennen: „Wir versuchen, die Gesellschaft positiv zu verändern, sodass Integration überhaupt möglich ist.“
Der Aufenthaltsstatus spielt für Mitarbeiter der Beratungsstelle dabei keine Rolle – für das Gesetz schon. Ob einer z.B. arbeiten darf oder eine Ausbildung beginnen, hängt davon ab, ob er „abgelehnt“, „geduldet“ oder „anerkannt“ ist. „Eigentlich ist es doch auch egal, ob ein Mensch bleiben will oder nicht“, meint Franz-Josef Franke nachdenklich. „Wenn er in Not ist, wenn er Hilfe benötigt – dann hilft man!“ Menschenrecht muss man sich schließlich nicht verdienen.
Wir bitten Sie herzlich für diese und andere Aufgaben der Diakonie um ihre Spende.
Dirk Bernd Bobe, Pfarrer Thomas Haensel, Pfarrer
DIAKONISCHES WERK ENNEPE-RUHR/HAGEN gGmbH
Martin-Luther-Straße 9-11, 58095 Hagen, Telefon 02331/380900
Spendenkonto: Sparkasse Hagen, BLZ 450 500 01, Konto 100 110 010

