Ennepe-Ruhr/Hagen
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Adventssammlung 2006
Chance Mensch
"Chance Mensch" heißt das Motto der Adventssammlung der Diakonie 2006. Drei Wochen lang, vom 18. November bis zum 9. Dezember, sind die Sammlerinnen und Sammler in den Kirchengemeinden unserer westfälischen Landeskirche unterwegs, um für die Arbeit der Diakonie zu sammeln. Bei ihren Besuchen bitten sie um eine Spende für die Unterstützung der kirchlich-diakonischen Arbeit mit Menschen, die Hilfe brauchen. Die Sammlerinnen und Sammler können sich ausweisen und verteilen kostenlose Informationen zum Sammlungsthema.
In den Kirchenkreisen Hagen, Hattingen-Witten und Schwelm nutzen wir die diesjährige Sammlung, um unser neues Projekt "DA-SEIN" vorzustellen.
Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Lukas 24, 29.
Den letzten Weg gemeinsam gehen
Abschied vom Leben:
Ambulante Sterbebegleitung Da-Sein
Ein strahlender Sonnentag. Draußen pulsiert das Leben. Menschen lachen, schmieden Pläne, verabreden sich für das kommende Wochenende. Für trübe Gedanken ist da kein Platz. Eine kleine Todesanzeige lässt sie innehalten. "Plötzlich und unerwartet…" steht da. Die Verstorbene kannte sie nur flüchtig, sie war nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt. Gedanken schießen ihr durch den Kopf: Was, wenn Du selber…? Wer geht dann mit mir? Wer hält mich? Meist ist es nicht der Tod, den die Menschen fürchten. Sondern das Sterben. Sterben kann furchtbar und schrecklich sein. Wenn das Sterben qualvoll ist, der Sterbende einsam und ohne Hoffnung bleibt.
Lebensbegleitung. Sterbebegleitung. In den Einrichtungen des Diakonischen Werkes gehen die Begriffe ineinander über. Das letzte Stück des Lebens mit jemandem zu gehen, ihm beim Abschied zu helfen, einfach da zu sein - das ist Hilfe im Leben und Hilfe beim Sterben. Wie lang dieses letzte Stück Weg ist, weiß niemand im Voraus. In den sieben Altenheimen des Werkes gibt es Menschen, die die hauptamtliche Arbeit ehrenamtlich unterstützen. Und nun gibt es unter dem Namen "Da-Sein" auch eine ambulante Sterbebegleitung - denn für viele Menschen ist das der letzte Herzenswunsch: Zu Hause zu sterben.
Da-Sein steht auf zwei Säulen: Die palliative Pflege übernehmen fünf speziell geschulte Pflegerinnen rund um Sigrid Vollaard, Mitarbeiterin der Diakoniestation Gevelsberg. "Palliativ heißt, dass wir Symptome nur noch lindern und nicht mehr versuchen, sie zu kurieren", erklärte Roswitha Dodt, Fachbereichsleiterin für die ambulante Pflege.
Der zweite Bereich des Projektes erklärt zugleich dessen Namen: "Wir wollen für diese Patienten da sein. Für sie und ihre Angehörigen", so Sigrid Vollaard. Dabei helfen engagierte Ehrenamtliche. Menschen, die für Todkranke da sind und Zeit mit ihnen verbringen. Um zuzuhören, auf Wünsche einzugehen - und auch, um die Angehörigen zu entlasten.
Als Diakoniepresbyterin wurde Gerlinde Erbe gebeten, in ihrer Gemeinde um Menschen zu werben, die das Projekt unterstützen. "Aber es hat sich niemand gemeldet", erinnert sich die 66-Jährige. Und dann sagte sie sich: "Mach´s doch selbst!!" Wenn sie heute von "ihrer" Gruppe schwärmt, spürt man, dass sie diese Entscheidung nicht bereut. "Es sind wunderbare Menschen, wir geben uns gegenseitig Halt und stützen uns."
Das spürt auch Pfarrerin Antje Lauxmann, die die Gruppe begleitet. Der Abschied vom Leben, die Begleitung des Sterbenden, der gemeinsame Weg, sich selber zurücknehmen, den anderen wahrnehmen - das sind die großen Themen in der Sterbebegleitung. "Die eigentliche Pflege wird ja von den Hauptamtlichen sichergestellt", betont Gerlinde Erbe. Ihre Rolle beschreibt sie so: "Ich versuche, herauszufinden, was dem Sterbenden gut tut, was seine Wünsche sind."
In der Gruppe, die sich 14-tägig trifft, tauschen die Ehrenamtlichen ihre Erfahrungen, aber auch Sorgen und Unsicherheiten aus. "Jede weiß: Ich muss das nicht alleine schaffen", sagt Gerlinde Erbe. Die Gruppe gibt Kraft, hilft bei der eigenen Trauerarbeit und vermittelt Wissen. Antje Lauxmann ist als Koordinatorin das Bindeglied zwischen Haupt- und Ehrenamt.
Sterbebegleitung ist auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen. "Man muss die eigenen Kraftquellen entdecken", findet Antje Lauxmann. "Nur wer Kraft hat, kann auch Kraft geben." Mehr als zwei Begleitungen pro Jahr sollte kein Ehrenamtlicher machen; "wie intensiv die letzten Wochen oder Tage dann werden, ist sehr individuell."
Mit viel Einfühlungsvermögen wurden die Ehrenamtlichen befähigt, auch nonverbale Äußerungen zu verstehen - denn nicht immer kann der Sterbende seine Wünsche noch in Worte fassen. Eine Praxisphase schloss sich an - sinnvoll, findet Antje Lauxmann: "Man darf auch aussteigen!" Nun warten die Ehrenamtlichen auf ihren ersten Einsatz. Angst davor hat Gerlinde Erbe keine: "Es ist ja nicht schlimm, wenn mal die Worte fehlen. Man kann immer noch einfach da sein!"
Wir bitten Sie herzlich für diese und andere Aufgaben der Diakonie um ihre Spende.
Dirk Bernd Bobe, Pfarrer Thomas Haensel, Pfarrer
DIAKONISCHES WERK ENNEPE-RUHR/HAGEN gGmbH
Bergstraße 121, 58095 Hagen, Telefon 02331/380900
Spendenkonto: Sparkasse Hagen, BLZ 450 500 01, Konto 100 110 010
