Sommersammlung 2007

„Ohne Ehrenamt
wäre vieles nicht möglich!“

Fast 1500 Menschen unterstützen freiwillig das Diakonische Werk

„Ich weiß, was Hunger ist.“ Mehr braucht Marianne Scheu nicht zu sagen. Ein gutes Jahr ist es her, dass die geborene Schlesierin in der Tageszeitung auf ein Projekt stieß, mit dem Caritas und Diakonie in Schwelm Neuland betraten: Den Tafelladen. „Da gibt es Menschen, die Hunger haben und sich kein Gemüse leisten können – und gleichzeitig werden in Supermärkten Lebensmittel weggeworfen, weil das Haltbarkeitsdatum bald überschritten ist. Das treibt mich um.“

Ein energischer, freundlicher Mensch ist Marianne Scheu; hilfsbereit, doch sicher keine mit „Helfersyndrom“. Und nun steht sie im Ladenlokal des Sozialkaufhauses, einmal im Monat, gemeinsam mit insgesamt 40 Ehrenamtlichen, ohne die die Idee nie zur Tat geworden wäre. „Auf unseren ersten Aufruf hin haben sich spontan fast 70 Leute gemeldet – wir waren total baff“, erinnert sich Heike Orth, die Leiterin der Schwelmer Wohnungslosenberatung.

Mehr als die Hälfte sorgt nun dafür, dass einmal wöchentlich, immer dienstags, Lebensmittel an Menschen ausgegeben werden können. Kisten schleppen, Ware appetitlich dekorieren – und dann vor allem das zügige, gerechte Ausgeben der Ware – knapp vier Stunden liegen zwischen der Anlieferung und dem letzten „Bis nächste Woche dann“. Vier Stunden, die es in sich haben. „Hier begegnet einem das pralle Leben“, beschreibt die pensionierte Pädagogin. Spätaussiedler, Ausländer, allein erziehende Mütter, Obdachlose und viele Menschen, die seit Hartz IV einfach nicht mehr zu recht kommen. Die jede Gelegenheit, Geld zu sparen, dankbar annehmen.

Keine leichte Aufgabe für Menschen, die den Umgang mit Scham, Hilflosigkeit und manchmal auch Wut nicht professionell gelernt haben. „Manche bedanken sich so herzlich, dass es einem fast peinlich ist“, hat Marianne Scheu schon erlebt. Die Ehrenamtliche im Wurstbereich heute hat ein großes Herz, aber ein schlechtes Augenmaß – am Ende ist ihr Regal leer, obwohl noch Wartende frierend vor dem Sozialkaufhaus stehen. „Nichts mehr da? Ich warte doch schon seit einer Stunde...“ Dann kommt auch schon mal Zorn hoch, das ist verständlich.

„In solchen Situationen ist es besonders wichtig, dass wir den Ehrenamtlichen zur Seite stehen“, weiß Heike Orth. Sie und ihre Kollegin von der Caritas sind selbstverständlich jeden Dienstag dabei, packen mit an, greifen ein, wenn die Stimmung zu kippen droht. Beide sind sich einig: „Ohne Ehrenamt wären solche Projekte gar nicht mehr möglich!“

Das sieht auch Heike Spielmann-Fischer, Leiterin der Bahnhofsmission und von Luthers Waschsalon in Hagen so. Sie ist in den beiden diakonischen Einrichtungen die einzige Hauptamtliche; die Hauptarbeit in der Bahnhofsmission wird durch 18, in Luthers Waschsalon durch 13 Ehrenamtliche getragen: „Mit Menschen zu arbeiten, die nicht wegen des Geldes kommen, ist spannend und bereichernd.“ In ihren Teams fällt zweierlei besonders auf: Die große Verbindlichkeit der Mitarbeitenden – und die Menschenfreundlichkeit mit der jeder neue Gast willkommen geheißen wird.

„Ich mag den Umgang mit Menschen“, erzählt Horst Conrady, der seit einem Jahr in der Bahnhofsmission arbeitet. „Eher zufällig“ sei der frisch gebackene Rentner am Bahnhof gelandet. Auch er ist keiner, der sich ansonsten im Leben langweilt; Kinder und Enkelkinder spannen ihn ein, und seine Hobbys pflegt der ehemalige Werbefachmann ebenfalls. Im Berufsleben war er oft auf sich allein gestellt. „Die Arbeit im Team ist für mich jetzt bereichernd.“

Begleitung von Reisenden, Umsteigehilfe für Blinde, Auskünfte erteilen, informieren, und ganz viel: Zuhören – das sind die Hauptaufgaben des Teams. Wie im richtigen Leben gibt es dabei Menschen, die einem mehr liegen als andere. „Es kann nicht immer jeder mit jedem.“

Aber das findet Horst Conrady gar nicht schlimm. „Mir erzählen manchmal ältere Damen, die auf den nächsten Zug warten, in nur einer Stunde ihr halbes Leben. Aber unsere Dauergäste vertrauen sich mir nicht so leicht an.“ Mit den Dauergästen meint er Obdachlose, die bei einer Tasse Kaffee oft stundenlang im Warteraum sitzen. Deren „Zug“ schon lange abgefahren oder entgleist ist. Kein Problem für Horst Conrady: „Da springt dann Herr Mandt ein.“ Mit dem fünffachen Vater bildet er ein eingespieltes Team. „Ich komme leicht ins Gespräch; das war schon immer so.“ Ruhig und gelassen hört er sich Geschichten über Kummer und Wut, Not und Einsamkeit an. Oft kann er helfen, indem er praktische Tipps gibt. Manchmal hilft schon das Zuhören.

Ehrenamt beim Diakonischen Werk ist so vielfältig wie die fast 1500 Menschen, die unsere Arbeit unterstützen. Da ist der EDV-Experte, der eine Beratungsstelle technisch immer wieder auf den neuesten Stand bringt; die 70-jährige, die schon seit Jahrzehnten als Sammlerin unterwegs ist; der 45-jährige, der als Ein-Euro-Jobber ins Altenheim kam und der seither mit seiner geduldigen Art einige Demente besucht. Mittagstisch oder Kleiderkammer, Tafelladen oder Medizinische Ambulanz für Obdachlose – all diese Projekte, die den Alltag der Armen in unserer Gesellschaft etwas leichter machen, wären ohne die Unterstützung von Freiwilligen nicht denkbar. Mehr als eine Aufwandsentschädigung bekommen sie nicht ausgezahlt. Und doch halten sie ihrer Diakonie oft über Jahre die Treue. Für sie gilt offensichtlich, was Horst Conrady für sich und seine „Kollegen“ zu Recht einfordert: „Ehrenamt muss auch uns Freude machen…“

Für Schulungen und die Betreuung von Ehrenamtlichen und für andere Aufgaben der Diakonie bitten wir Sie herzlich um Ihre Spende.

DIAKONISCHES WERK ENNEPE-RUHR/HAGEN gGmbH
Bergstraße 121, 58095 Hagen, Telefon 02331/380900
Spendenkonto: Sparkasse Hagen, BLZ 450 500 01, Konto 100 110 010